Uns trägt die Hoffnung
Was tun, wenn in einer Familie Anhänger, Sympathisanten, Mitläufer, Gegner und sogar Opfer des NS-Regimes sind?
Diesem Thema geht Sylvia B. Barron in ihrem zweiten Band der "Dresden Trilogie" sehr bewegend und packend nach. Die Spannungen, Schwierigkeiten und Herausforderungen sowie Wunden und große Not sind eindrücklich beschrieben worden, weshalb dieses Buch unter die Haut geht und von der ersten Seite an völlig fesselt.
Ich selbst musste mich zu Beginn allerdings auch kurz orientieren, da der 2. Band einige Jahre nach dem 1. Band beginnt.
Man begegnet Lotte – Emmas Nichte – und ihrer Mutter Frieda – Emmas Schwester – in den letzten Tagen des Krieges und der Besetzung durch die Russen. Gleichzeitig erfährt man aber in kleinen Rückblicken, wie es mit Emma und Max weiterging, sodass keine Lücken in der Geschichte entstehen.
Der Schreibstil ist fesselnd und die damaligen Gegebenheiten sind genaustens recherchiert. Diese Recherche begeistert mich jedes Mal neu, denn die vielen kleinen geschichtlichen Details machen dieses Buch zu einem Meisterwerk. Alles ist authentisch, lebendig und sehr realistisch beschrieben.
Vor allem die Beschreibungen der zerstörten und ausgebrannten Stadt waren eindrücklich und ließen erschreckende Bilder vor dem inneren Auge entstehen.
Für mich sind Kriegstage wie ein kalter Hauch aus der Vergangenheit oder fernen Orten, doch für andere sind sie Realität und der Kampf ums Überleben grausamer Alltag.
Diese Not, diese Ängste, die entstehenden Konflikte und die Hoffnung auf bessere Tage schwingen intensiv durch die Zeilen.
Lotte war eine besondere Persönlichkeit. Eine junge Frau, die vieles nur erahnt hat und sich nun der Realität stellen muss in einer Familie, in der Recht und Unrecht nebeneinander geschehen sind.
Dabei werden Themen wie "Liebe deine Feinde" aufgegriffen und vertieft. Der Glaube spielt dabei eine große Rolle und bereichert die Geschichte.
Mir hat dieses Buch unfassbar gut gefallen und ich kann es jedem empfehlen, der eine eindrückliche Lektüre sucht.
Hier geht es um Schuld, Unsicherheiten, Unglauben, Angst, Hoffnung, Zusammenhalt, Freundschaft und erste Schritte zur Vergebung.
Es ist ein Buch, das über das Lesen hinaus bewegt und beschäftigt, und man stellt sich unweigerlich die Frage: Was hätte man wohl selbst getan?