Das Haus der Zuflucht
Die eindrückliche Geschichte einer besonderen Frau, die allen Menschen Vergebung lehren könnte. Sie ist ein Vorbild und wird nach mehreren Jahren immer noch positiv erwähnt und ist somit unvergessen.
Genau deshalb war ich sehr neugierig auf diese Romanbiografie und habe sie zügig durchgelesen. Interessanterweise gab es neben ihrer Geschichte auch noch Abschnitte, in denen Anne Franks und Audrey Hepburns Erlebnisse eingeschoben wurden, um die Geschichte wohl etwas abzurunden.
Mich persönlich hat das allerdings gestört und ich frage mich, warum vor allem Anne Frank in so viele Romane mit eingebunden wird, obwohl es keine Verbindung gibt. Corrie und Betsies Geschichte hat es nämlich definitiv nicht gebraucht.
Nichtsdestotrotz war es angenehm, diesen Roman zu lesen. Er ist detailliert, und reich an Informationen zum politischen Geschehen in den Niederlanden, sowie in Deutschland. Für mich zog es sich dadurch leider auch an manchen Stellen. Zusätzlich gibt es mehrere Fußnoten, die weitere Erklärungen bieten und den Roman ergänzen.
Der Schreibstil ist eher nüchtern, ruhig und doch lebendig und anschaulich. Einzig an Emotionen hätte ich gern noch etwas mehr gehabt. Allerdings stellte sich mir auch die Frage, ob dieses Buch dann noch erträglich gewesen wäre. Die Schwere, die Spannung und die alles beherrschende Angst vor Entdeckung waren auch so schon kaum auszuhalten.
Es ist definitiv ein Buch, das länger beschäftigt und bei dem das Lesen eine Anspannung verursacht. Mir war das Herz oft ganz schwer und es ist unfassbar, wie viel Leid Menschen aushalten können, weil sie das Gute tun wollen.
Stark fand ich die Beschreibungen der Zerrissenheit zwischen dem Gehorsam Gott gegenüber und dem Schutz der Verfolgten, was manchmal zu einer Lüge geführt hat. Es gab Situationen, die mir sehr nahegingen.
Bereichert wird das Buch durch mehrere Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Corrie, Betsie und ihren Anvertrauten. Dadurch wird die Romanbiografie noch persönlicher, noch echter, noch intensiver. Es sind dadurch nämlich nicht irgendwelche Menschen, sondern Menschen, die man zu kennen meint, von denen man ein Gesicht vor Augen hat und die man ins Herz schließt.
Genau das war eine weitere Stärke dieses Buches. Hier waren es nicht nur die Untergetauchten, die es zu retten galt, sondern sie hatten Namen, man durfte sie kennenlernen, etwas über ihre Geschichte erfahren und zum Abschluss des Buches auch etwas über den weiteren Werdegang nach der Entdeckung durch die Gestapo.
"Das Haus der Zuflucht" erzählt authentisch, intensiv und erschütternd aus dem Leben von Corrie und Betsie. Doch es macht sie nicht zu Heiligen, sondern zeigt auch ihre Schwächen auf. Trotzdem sind beide Frauen zu bewundern und vor allem Betsie gehört meine allergrößte Bewunderung. Sie steht ein wenig im Schatten ihrer Schwester, doch sie ist eine Heldin.
Der Glaube dieser beiden Frauen, sowie ihres Vaters, hat mich nachhaltig beeindruckt und demütig zurückgelassen.
"Das Haus der Zuflucht" ist ein Buch für jeden, der Glaubenshelden kennenlernen und begleiten möchte, sowie für Menschen, die mehr über den Widerstand in den Niederlanden erfahren möchten.