Das Lied der Segel
Überraschend anders und dabei so gut zu lesen.
Schon am Anfang stürzt man in den Strudel der Ereignisse und erlebt alle turbulenten und aufregenden Ereignisse mit.
Lily war mir direkt sympathisch und ich mochte sie sehr, vor allem weil sie nicht als leuchtende und fehlerfreie Person beschrieben wird.
Jake dagegen hat es mir schwergemacht, ihn gern zu haben, doch im weiteren Verlauf mochte ich ihn gern, obwohl ich mich mit so manch einer Handlung, Aussage und Einstellung schwergetan habe. Doch genau das hat mich am Ende begeistert.
Für mich ist es eine hohe Kunst, eine eher unsympathische Person so zu beschreiben, dass man mitleidet, mitfühlt und selbst Dinge, die man ablehnt, nachvollziehen kann.
Mit Jake und Lily hat Amy Jasmin Ritter zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten geschaffen.
Lily ist aus gutem Haus, überbehütet, sehr angepasst und bemüht sanft.
Jake ist rau, grob, teilweise unhöflich und auf einer Mission, die Gefahr, Angst, Flucht und Gewalt beinhaltet.
Die Kirsche auf der Sahnetorte war die kleine Verbindung zum Debüt der Autorin, denn dort begegnet man Jack zum ersten Mal.
Ja, dieses Buch fesselt von der ersten Seite an, man verschlingt es geradezu und taucht ein in die Wirren der Herzen, der Umstände und der unterschiedlichen Geschehnisse.
Dabei ist alles lebendig und bildhaft beschrieben und erzählt von Liebe, Kraft, Schuld, Hoffnungslosigkeit, Kämpfen und der unverdienten Liebe Gottes.
"Das Lied der Segel" ist eine aufregende und gefährliche Geschichte, in der so viel passiert, dass man atemlos durch die Seiten stolpert und von so mancher Wendung überrascht wird. Gut, Lilys Geheimnis war mir von Anfang an klar, doch das weitere habe ich nicht kommen sehen.
Für mich sticht dieses Buch aus der Fülle der historischen Romane hervor. Piraterie und Kämpfe in Verbindung mit einer zarten, aufkeimenden Liebe, habe ich so schon lange nicht mehr gelesen.
Ich mochte die Beschreibungen der Kämpfe und Schlachten, der Schiffsüberfälle und der Flucht genauso gern wie die sanften und feinen Momente.
In diesem Buch wird deutlich, dass Gottes Liebe immer gilt, auch dann, wenn wir uns weit entfernen und Dinge tun, die falsch sind. Dabei wurde mir erneut bewusst, dass vieles nicht nur schwarz/weiß ist und manche Menschen unfreiwillig in Situationen gelangen, die unschön sind, und dann aufrichtige Freundlichkeit und keine Selbstgerechtigkeit samt Ablehnung nötig haben.
Ja, es geht teils heftig zu und man blickt in seelische Abgründe, um dann durch Jonah und seine eingestreuten und treffenden Bibelverse ein Lächeln geschenkt zu bekommen.
Ich hoffe sehr, dass er im zweiten Band der Dilogie einen größeren Part bekommt.
"Das Lied der Segel" hat mir also sehr gut gefallen und ist für jeden, der spannende Bücher liebt.