Hoffnung leuchtet wie ein Stern

Wer kennt sie nicht, die Herrnhuter Sterne, die unzählige Haushalte in der Weihnachtszeit verschönern und ein Licht in die Welt senden.

Ich selbst konnte lange nichts damit anfangen, doch seit einiger Zeit gefallen sie mir sehr und nach diesem Buch haben sie einen besonderen Platz in meinem Herzen.

Sobald man weiß, wie es dazu kam, dass diese Sterne gefaltet wurden, vor allem wer sie in den Anfangstagen gefaltet hat und welch ein Zeichen der Hoffnung sie waren, kommt man nicht drumherum, sie mit fasziniertem Blick, einem kleinen Schmerz im Herzen und einem großen Lächeln zu betrachten.

In diesem Buch folgt man Tiema nach Grönland, in ein eher unwirtliches Land, wobei man seinem Zauber erliegt.
Ich, die nie nach Grönland wollte, könnte nach dem Lesen der zauberhaften Beschreibungen der Umgebung sofort meine Koffer packen.
Elisabeth Büchle hat die Schönheit des schneebedeckten Landes so wundervoll beschrieben, dass man meint, die Kälte und den Schnee riechen und fühlen zu können.
Dabei verschweigt sie auch die Gefahren nicht und nimmt mit auf eine abenteuerliche Reise in Schnee und Eis sowie in die Vergangenheit von Timeas Ahnin Philippine.

Durch erhaltene Briefe entfaltet sich deren Geschichte auf lebendige und bildhafte Art.
Man bekommt Einblicke in das Leben der ersten Missionare in Grönland, die zerrissen zwischen ihrem Wunsch, das Beste für ihre Kinder zu geben, und den Inuit das Christentum vorzuleben, ihr Leben gestalteten.
Sie gaben ihr Bestes und doch hat es nicht immer gereicht, wobei der Preis dafür kaum zu ermessen ist.

Der Schmerz, der durch manche weitreichende Entscheidung ausgelöst wurde, ist einfühlsam und eindrücklich beschrieben.
Zudem hat mich erschüttert, wie viel vor allem von Missionarskindern erwartet wurde.
Ich war sehr bewegt und wollte ins Buch schlüpfen, um Philippine in den Arm zu nehmen.

Stück für Stück bricht beim Lesen der Briefe auch Tiemas Schutzpanzer auf und man bemerkt bei ihr Wunden aus der Vergangenheit, die einer Heilung bedürfen.

Beide Frauen haben eine große Sehnsucht nach Liebe, Nähe, Familie, Annahme und einem echten Zuhause.
Dabei entstehen Fragen nach der Identität, der Zugehörigkeit und dem Ziel im Leben.

Mir hat diese Geschichte sehr gefallen. Neben den sehnsüchtigen Momenten voller Schmerz, gab es auch Augenblicke der Freude, humorvolle Dialoge, sowie dramatische Szenen, bei denen ich atemlos die weitere Entwicklung abgewartet habe.

Philippines Geschichte ist perfekt in Timeas Erlebnisse eingebunden und ich kann nicht sagen, welcher Part mir besser gefallen hat. Die Vergangenheit war definitiv intensiver, doch die Gegenwart hat mich mit ihrer zarten Liebe völlig verzaubert.

Zum Schluss gab es übrigens noch als perfekte Ergänzung den „geschichtlichen Überblick“. Dadurch war es ohne eigene Recherche möglich, direkt zu erfahren, welche historischen Begebenheiten und Persönlichkeiten die Grundlage dieses Romans sind.

"Hoffnung leuchtet wie ein Stern" ist somit eine intensive Geschichte, die den Zauber Grönlands wundervoll beschreibt und dabei Wissenswertes über die Arbeit der Herrnhuter Gemeinde in aller Herren Länder weitergibt. Ziele, Beweggründe und persönliche Kosten werden dabei eindrücklich beschrieben. Außerdem ist dieses Buch eine Stimme für die Missionarskinder, die unbedingt gehört werden sollte.

Meine Bewertung
sehr gut
Informationen zum Buch
Hoffnung leuchtet wie ein Stern
Elisabeth Büchle
Hardcover
240
2026
Gerth Medien
Timea ist Fotografin - und innerlich zerrissen. Den Schmerz darüber betäubt sie mit waghalsigen Freizeitaktivitäten. Als sie unerwartet von einem Erbe in Grönland erfährt, reist sie in die raue Schönheit des Ewigen Eises. Dort begegnet sie Mads, einem dänischen Kurator, der zur Geschichte der Herrnhuter Mission forscht. In einer alten Holzkiste findet Timea bewegende Briefe ihrer deutschen Vorfahrin, die einst als Missionskind von Grönland nach Deutschland geschickt wurde. Die Worte spiegeln Timeas Gefühl von Verlassenheit und erzählen zugleich von der Entstehung des Herrnhuter Sterns - einem Symbol der Hoffnung. Gemeinsam mit Mads begibt sie sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Wird sie dort auch Antworten auf ihre eigenen Fragen finden? Eine bewegende Reise in die Weiten Grönlands und eine spannende historische Spurensuche rund um die Herrnhuter Mission und den berühmten Stern.