Du sollst frei sein
Nachdem mir dieses Buch hier warm ans Herz gelegt worden war und es nun lange in meinem Regal gestanden hatte, wurde es Zeit, es zu lesen.
Für mich, die ich aus eher strengen und engen Verhältnissen komme, war es teils befreiend und teils seltsam, diese Zeilen zu lesen.
Deshalb bin ich am Ende auch etwas zwiegespalten, und doch habe ich, vor allem in der ersten Hälfte des Buches, sehr viel für mich herausnehmen können.
Es gibt viele tolle Gedanken und es wird eindrücklich betont, dass alles Gnade ist und wir uns nicht abkämpfen müssen, um uns Gottes Liebe und Zuwendung zu erarbeiten. Das war wohltuend, und ich denke, dass es Menschen gibt, die genau das aus dem Auge verlieren. Andere Sätze wie "lausche auf dein Herz – es wird dir die Antwort sagen" sehe ich etwas kritischer.
Ich weiß, dass im Herzen vieles ist, was Gott nicht wohlgefällig ist, auch wenn hier – und das wird aus dem Zusammenhang schon klar – damit gemeint ist, darauf zu lauschen, was Gottes Stimme uns sagt. Ich selbst bin bei so Sätzen trotzdem eher vorsichtig, denn "man kann auf beiden Seiten vom Pferd fallen".
Gottes Größe und Gnade, seine Kraft und sein Wesen wurden am Beispiel des Volkes Israel und anderer biblischer Personen verdeutlicht. Es war lebendig und angenehm geschrieben und gerade zu Beginn fliegt man schnell durch die Seiten. Man gerät in einen richtigen Leserausch und genießt es, diese vielen mutmachenden Zeilen zu lesen.
Dieses Buch ermutigt, sich auf Gott auszurichten, ihm nachzufolgen, ihm zu gefallen und sich nicht von Menschen verbiegen zu lassen. Am Ende des Tages zählt nur, was Gott denkt, und das wurde mir hier sehr klar.
Allerdings wurde meiner Meinung nach im gesamten Buch die Tatsache, dass Gott alles für uns getan hat und wir nichts mehr tun müssen, etwas überbetont, auch wenn es stimmt. Wir können uns nicht durch gute Taten und vollen Einsatz in seinen Augen verbessern. Trotzdem hat es mich irgendwann gestört.
Am beeindruckensten fand ich dann aber diese Aussage, die alles ins rechte Licht rückt: "Wahre göttliche Freiheit heißt nicht: Ich tue, was ich will, wann ich es will und wie ich es will. Sondern es bedeutet: Ich tue, was Gott will, wann er es will und wie er es will." Zitat S. 113
Zum Ende hin gab es leider auch einige Wiederholungen und es ging sehr oft um die Autorin, was mich ermüdet hat und mir deshalb auch nicht mehr so viel geben konnte wie der erste Teil, weshalb ich dann auch große Abschnitte nur noch überflogen habe. Meiner Meinung nach wären fünfzig Seiten weniger auch super gewesen.
Nichtsdestotrotz hat mir das Buch insgesamt gut gefallen, da es teilweise wie eine liebevolle Umarmung auf mich wirkte.
Deshalb bleibt abschließend nur noch zu sagen: Auch wenn mich das Buch zwiegespalten zurückgelassen hat und ich nicht weiß, ob ich jedem Satz so unterschreiben kann, so hat es doch sehr viel Gutes zu sagen und ist in großen Teilen sehr lesenswert.