Die Apotheke der Hoffnung
Erschüttert und mit Tränen im Gesicht habe ich dieses Buch gelesen. Ich wusste, diese Geschichte würde mich nicht wieder loslassen, und genauso ist es.
Normalerweise kann ich nach dem Beenden des einen Buches direkt das nächste aus dem Regal ziehen, doch hier war es mir unmöglich.
Diese Geschichte arbeitet in einem, hinterlässt ein schmerzendes Herz, viele aufwühlende Gedanken und einen tiefen Respekt gegenüber den Menschen, die alles gewagt haben, um das Gute zu wählen.
Die Geschichte ist bildhaft und wortgewandt erzählt und verschlingt einen geradezu. Einmal angefangen, ist es schwer, das Buch aus der Hand zu legen, allerdings führt der Verlauf dazu, dass genau das hin und wieder nötig ist.
Was damals geschah, ist uns sicher allen mehr oder weniger bewusst, doch hier zu sehen, wie die Zahlen und Fakten Gesichter bekommen und zu Menschen werden, die Gefühle, Schmerz, Angst und Not durchlitten haben, ist mehr als das bloße Wissen. Es geht unter die Haut, es bewegt und lässt einen Teile des Grauens sehen, das damals über friedliche Ortschaften kam und alles niederwalzte. Doch nein, es war nicht alles – manche standen da und haben Hoffnung geschenkt, und das hat mich beeindruckt.
Hier begleitet man Hania – eine junge polnische Jüdin – und Zosia, eine junge Polin, samt ihren Kollegen. Dabei werden zwei Seiten der Geschichte beleuchtet und man leidet im Ghetto und erstarrt fassungslos vor der Gewalt, wenn man zum Ghetto herüberschaut oder davorsteht.
Die Verzweiflung, die beschrieben wird, ist fast körperlich spürbar, und man sehnt sich nach ein bisschen Hoffnung, um Kraft fürs Überleben zu haben.
In den Zeilen schwingt eine ungewohnte Schwere, und die habe ich so ähnlich nur bei Cathy Gohlkes "Das Medaillon" erlebt. Dieses Buch habe ich allerdings als noch intensiver, noch gewaltiger und noch erschreckender empfunden.
Doch bei alledem ist eines klar: Die Wirklichkeit kann man nicht beschreiben, denn es ist immer noch mal schlimmer, und genau das hat mir – in Verbindung mit Kinderszenen – die Tränen über das Gesicht laufen lassen. Zumal diese Geschichte auf Tatsachen beruht und schon allein deshalb nichts beschönigt.
Mir hat dieses Buch den Atem geraubt, Schauer über den Rücken gejagt und die Nackenhaare aufgestellt. Mein Herz ist in tausend Stücke zersprungen und ich kann fast sagen, dass es wirklich zerbrochen ist.
Nun, Tage später, sitzt mir die Geschichte immer noch in den Knochen und ich kann sie jedem empfehlen, der bereit ist, sich den Gräueltaten der Vergangenheit zu stellen.
"Die Apotheke der Hoffnung" ist ein gewaltiges Buch, für mich wohl das intensivste, das ich in letzter Zeit gelesen habe und das ich nie vergessen werde.
Hier wird deutlich, dass man zu jeder Zeit eine Entscheidung trifft, entweder für das Gute und Richtige, um sich die Menschlichkeit zu bewahren, oder aber fürs Wegschauen und Hinnehmen, ja vielleicht sogar fürs Böse.
Das ist eine Geschichte, die sicher unvergessen bleibt, zumindest einzelne Szenen werden wohl nie aus dem Kopf verschwinden, und sie macht deutlich, wie sehr die Juden gelitten haben.
Gerade in der heutigen Zeit ist es so wichtig, sich das neu in Erinnerung zu rufen.
Begleitet Hania und Zosia und erlebt mit, wie Hoffnung und Liebe Kraft spenden, Unmögliches zu schaffen.
✨✨✨
Falls ihr "Schindlers Liste" kennt, trefft ihr hier auf einen "alten Bekannten" und zwar auf Amon Göth, denn das Konzentrationslager Płaszów ist hier einer der Schauplätze.